Die Zeiten, in denen Museumsbesuche von Langeweile bestimmt waren, sind längst vorbei. Kaum ein Museum kommt heute noch so traditionell daher, dass gähnende Zuschauer in Filzpantoffeln an endlosen Reihen von Exponaten vorbeigeführt werden und vor Langeweile und Desinteresse fast einzuschlafen drohen. Vor allem im Bereich der Museumspädagogik hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan.
Zu den Besonderheiten gehört der Internationale Museumstag, der in diesem Jahr am 12. Mai begangen wird und unter dem Motto „Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten: Museen machen mit!“ steht. Der erste internationale Museumstag wurde bereits 1978 durchgeführt, insofern gibt es trotz aller Innovationen auch ein Stück Tradition, auf das die Initiatoren zurückblicken können. Über eine Vielzahl von Events können sich Interessenten auf der Homepage des Museumstages IMD (International Museum Day) informieren.
Den Initiatoren liegt daran, die große Vielfalt der mehr als 6.500 deutschen Museen ins Rampenlicht zu stellen, den Stellenwert der Arbeit der Museumsangestellten und den kulturellen Wert für die Besucher deutlich zu machen. Zugleich gilt die Einladung an alle Bürger, die Schätze hinter Museumsmauern zu erkunden. Dabei geht es nicht nur um kunsthistorische und historische Museen, die uns auf den ersten Blick in den Sinn kommen; auch zahlreiche Regional- und Heimatmuseen haben interessante Exponate zu bieten, deren Erkundung sich nicht nur am 12. Mai als Ausflugsziel anbietet.
Spannende Unterhaltung bieten die zahlreichen Museumsnächte in deutschen Städten. Wer wollte nicht schon mal nach Hollywood-Art eine Nacht lang durch ein Museum wandern? Vielleicht werden die Exponate nicht lebendig, doch ganz sicher werden die Besucher dabei nicht allein sein, denn Museumsnächte sind ein Publikumsmagnet.
Die bayerische Hauptstadt München lädt am 19. Oktober mit vielen Angeboten dazu ein, die Nacht nicht schlafend zu verbringen. Auch in Chemnitz startet die Museumsnacht im Oktober, vielleicht weil die Nächte im Herbst ein wenig länger sind. In Leipzig und Halle hingegen geht es schon am 4. Mai rund, die Kasseler begrüßen ihre nächtlichen Gäste in diesem Jahr am 7. September. Nur die deutsche Hauptstadt hat zwei Museumsnächte pro Jahr zu bieten. Zum 32. Mal besuchten die Gäste die Berliner Museen schon im März. Nun heißt es, bis zum Herbst auf den kommenden Termin zu warten. Und in der Metropole gibt es wirklich viel zu sehen. Das Alliierten-Museum, ein Blindenmuseum, die Kinemathek, das jüdische Museum, die Villa Oppenheim, das Pergamon-Museum, das Ägyptische Museum usw.
Selbstverständlich gibt es auch eine Top-Museen-Liste in unserem Land.
An erster Stelle finden wir da das Pergamonmuseum in Berlin, gefolgt vom Bonner Haus der Geschichte, das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel, der Berliner Tränenpalast, die Münchener Pinakothek, das Deutsche historische Museum in der Hauptstadt, das Grüne Gewölbe in Dresden, die Berliner Gemäldegalerie, das Nürnberger Dokumentationszentrum und das Vitra Design Museum, das sich in Weil am Rhein befindet.
Auch hier hat Berlin die Nase weit vorn, was schon allein an der Vielzahl der Museen auf dem Stadtgebiet liegen dürfte.
Zumeist handelt es sich um absolute Highlights, die man gesehen haben sollte, doch es gibt auch manch kurioses Museum, das einen Besuch lohnt.
Rüdesheim am Rhein wartet mit einem Foltermuseum der Extraklasse auf. Hier gibt es kaum ein Folterwerkzeug, das nicht in der Ausstellung zu finden ist. Sie tragen klangvoll-gruselige Namen wie Häretikergabel, gedornte Halskrause, Halsgeige oder Judaswiege. Einige davon haben ihren Ursprung in der Zeit der Inquisition und des Hexenwahns, doch auch der Pranger, die Guillotine, diverse Schraub- und Streckwerkzeuge und das Richtbeil wurden in grauer Vorzeit als Bestrafungsinstrumente genutzt.
Leckeren Köstlichkeiten und ihrem Entstehungsprozess widmet sich das Kölner Schokoladenmuseum. Da wird eine Produktionsstraße gezeigt, die in allen Einzelheiten zeigt, wie die Süßigkeit aus Kakao und Zucker zu uns kommt. Ein großer Schokoladenbrunnen lädt die Besucher zu einer Kostprobe ein.
Weitere Besonderheiten finden Museumsbesucher im Mausefallenmuseum Neroth oder ein wenig anrüchige Exponate auch im Nachttopfmuseum in Laudert. Besonders auf Familien mit Kindern eingestellt ist das Aquarius Wassermuseum im Mülheimer Hafen. Hier steht der Lerneffekt der Kleinen ganz oben auf der Prioritätenliste, auch wenn der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleiben wird.
Für musikalische Besucher wären da noch das Marienheider Drehorgelmuseum oder das Gronauer Rock ‘n Pop Museum, während man im Pferdemuseum in Münster selbst einmal auf einem Sattel Platz nehmen kann.
Kategorien: Allgemein, Regionales






Bildnachweise