Liebe Nachbarn, kennt ihr das? Es ist später Montagabend und plötzlich ist er da, dieser unaufhaltbare Heißhunger auf eine Tafel weiße Crisp Schokolade. Oder Euch sind die Zigaretten ausgegangen. Oder – und das ist die netteste Variante – der Rotwein fehlt: Denn vor der Tür steht an diesem nicht geplanten Abend zufällig der neue Kollege aus der Technik.

Die Zigarettenproblematik betrifft mich seit Ende letzten Jahres glücklicherweise nur noch selten. Die Rotweinproblematik manchmal. Und dann liebe ich meinen Spätkauf.

‘Was, um alles in der Welt, ist bloß ein Spätkauf?’, fragt sich jetzt vielleicht der nette Nachbar aus München. Kennt ihr nicht? Ein kleiner, netter Kiezladen, der fast immer auf hat. Dort gibt´s von der Zeitung über Milch, Butter, Nudeln, alkoholischer Auswahl oder Streichhölzern für den Gasherd so ziemlich alles, was das Herz an oben genannten Abenden begehrt. So charmant eingerichtet wie die Tante-Emma-Läden früher, wo wir immer heimlich Gummifrösche und saure Stangen gekauft haben. Und dann triffst Du da auch gleich noch Imke von ‘zwei drüber’. Kurzes Schwätzchen und weiter. In Berlin wimmelt es nur so von solchen Läden.

In einer Nachbarschaft ohne Spätkauf wohnen? Ohne mich! Da kann keine Tankstelle mithalten.

Meinen Technikerbesuch habe ich Tür wendend noch mal losgeschickt. Zum Rotwein kaufen. Damit verabschiede ich mich still und leise in diesen Abend und sage

Bis nächsten Montag. Wir lesen uns.

Eure Nachbarin aus der Danziger Straße.

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